Uebung macht den Meister
Unter diesem Motto wurde am 18. April 1898 anlässlich der ersten Hauptversammlung im "Sternen" in Guggisberg von den ca. 40 Anwesenden die Militärschützengesellschaft Guggisberg als zweiter Schiessverein in unserer Gemeinde gegründet, dies "in Anbetracht der geographischen Grösse und Ausdehnung der hiesigen Gemeinde einerseits, sowie der grossen Anzahl von Schiessenden andrerseits".
Das Unterhaltsgeld (Schiessbeitrag) wurde auf Fr. 1.50 festgesetzt und es wurden vier obligatorische Schiesstage (alles Sonntage vom April bis Juni) festgelegt. Es durfte nur mit Ordonanzwaffen und Ordonanzmunition geschossen werden. Erster Präsident wurde Fr. Wasem, Käser; Schützenmeister Gottl. Zwahlen, Wachtmeister, in den Sandflühen (gemäss Statuten ein "Charchierter" / zugleich Vicepräsident); Sekretär Lehrer Friedrich Müller, Kalchstätten und Kassier Kasteler, Korporal, Guggisberg. Schon für das erste Vereinsjahr wurde dem Sekretär eine Entschädigung von Fr. 30.-- ausgerichtet (dieser Ansatz blieb über viele Jahrzehnte unverändert!) und der Kassier erhielt Fr. 25.-- "und bei Zufriedenheit Fr.30.--!" Zwei Jahre später zeigte sich, dass die eingehenden Beiträge nicht ausreichten. So wurde beim Gemeinderat Guggisberg ein Gesuch um Gewährung eines einmaligen Beitrages von Fr. 60.-- eingereicht. Von 1902 an wurde alle zwei Jahre zusätzlich zu den im Frühsommer stattfindenden vier Schiesstagen im Herbst ein Ausschiesset veranstaltet. In der Zeit wurden jeweils dafür regelmässig Gaben gesammelt. 1907 wird erstmals ein freiwilliges Gefechtsschiessen erwähnt, ein Jahr später ein Schützenfest in Schwarzenburg, an dem die besten Guggisberger Schützen "wenn irgend möglich teilnehmen" sollten. Der Verein spendete dafür eine Ehrengabe von Fr. 25.-- und bezahlte an die Kosten der teilnehmenden Mitglieder Fr. 50.--.
Der erste eigene Schiessstand
Zehn Jahre nach der Gründung des Vereins begann die Geldbeschaffung für die Einrichtung eines eigenen Schiessstandes. Mit einer Lotterie (mit 20'000 Losen zu Fr. 1.-- und einem Haupttreffer von Fr. 2'000.--!) sollte das Vorhaben soweit möglich finanziert werden. Jedes Mitglied wurde verpflichtet, zwanzig Lose auf eigenes Risiko zu übernehmen. Die Hauptversammlung vom 21. März 1909 entschied sich in geheimer Abstimmung, "dass unsere Gesellschaft nicht den Schiessplatz verlegen will auf Riffenmatt. Alle dahinzielenden Anträge von irgend einer Seite sind zurückzuweisen." A. Schwab, Wirt vom "Sternen" verschenkte der Gesellschaft genügend Land zum Scheibenstand am jetzigen Platz. Er sah dies als Geschenk für ein allfällig durchzuführendes Schützenfest. So entstand 1910 die noch heute benützte Schiessanlage "Sand" mit Schützenhaus und Scheibenstand. Der Kostenvoranschlag rechnete mit Aufwendungen von Fr. 4'904.95. Am 12. Juni 1910 wurde sie mit den ersten obligatorischen Schiessübungen eingeweiht. Der Neubau der Schiessanlage belastete den Verein offenbar stark. So wurde etwa der Gemeinderat Guggisberg noch 1915 ersucht, den Zins auf dem entlehnten Kapital von Fr. 900.-- für zwei Jahre zu schenken! An der ordentlichen Hauptversammlung 1918 erhielt der Vorstand die Vollmacht, sich mit dem Gemeinderat zwecks Übernahme der gesamten Schiessanlage durch die Gemeinde zu beraten. Am 7. Juli desselben Jahres beschlossen 32 Mitglieder an einer ausserordentlichen Hauptversammlung, die Schiessanlage inklusive Boden für Fr. 4'000.-- an die Gemischte Gemeinde Guggisberg zu verkaufen.
Vermehrte Schiesstätigkeit
Regelmässig nahm man nun an den Feldsektionswettschiessen teil. Wer unentschuldigt fehlte, wurde gebüsst (z.B. 1914 mit Fr. 3.--, 1921 bereits mit Fr. 8.--)! Später wurden weitere auswärtige Schiessanlässe wie Matchschiessen, Amtsgruppenmatch und Grasburgschiessen besucht. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Vereins wurde 1923 das Feldsektionswettschiessen für die Schützen im ganzen Amt im Raum Lehn-Walenhaus (also wirklich auf dem "Feld") durchgeführt: "Unter den teilgenommenen Gesellschaften herrschte beste Zufriedenheit über die prompte und billige Durchführung desselben." 1926 wird festgehalten, dass Vereinsfahne und Sektionskränze nun im "Sternen" in Guggisberg aufbewahrt werden (heute befindet sich der Schaukasten im Sternensaal). Ein besonderer Höhepunkt war natürlich das Mittelländische Schützenfest von 1928 in Schwarzenburg. Weil die Vereinskasse einen Tiefstand aufwies, konnte lediglich eine Barehrengabe von Fr 50.-- gespendet werden. 1929 musste sogar auf die Uebernahme des Amtsgruppenmatches und des Zvierischiessens verzichtet werden, weil kein Geld vorhanden war, um die erforderlichen Reparaturen der Schiessanlage ausführen zu können. So ist es auch nicht verwunderlich, dass von einem säumigen Mitglied das ausstehende Unterhaltsgeld und nicht bezahlte Bussen per Ein-zahlungsmandat mit Betreibung (im Verweigerungsfall) eingefordert wurde.
Die Aufteilung in A- und B-Schützen
Bei der Statutenrevision von 1932 wurde eine Aufteilung der Aktivmitglieder in A- bzw. B-Schützen eingeführt. Wer bereit war, ausser dem obligatorischen und fakultativen Programm auch an freien Uebungen und Wettkämpfen teilzunehmen, wurde A-Schütze und bezahlte das anderthalbfache des B-Mitgliederbeitrages. Von jetzt an war die Teilnahme an auswärtigen Schiessen klar geregelt. So liess man sich die Gelegenheit auch nicht entgehen, 1934 mit dreizehn Schützen am Eidgenössischen Schützenfest in Freiburg teilzunehmen. 1948 feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsschiessen. Der Reingewinn betrug Fr. 724.--.
Die Erweiterung der Schiessanlage
Um die Schiessfertigkeit in der Gesellschaft zu heben, wurde 1950 eine Jahreskonkurrenz eingeführt. Diese Neuregelung half wohl mit, dass bereits 1952 eine Expertise für eine Erweiterung der Schiessanlage "Sand" erarbeitet wurde. Wie sollte sonst das Schiessen bei soviel Mitgliedern und wenig Scheiben durchgeführt werden? Die Erweiterung der Anlage auf 10 Scheiben sollte rund 22'000 Franken kosten, die Gemeinde (als Eigentümerin) sollte davon 14'000 Franken übernehmen. Die Bauarbeiten wurden 1953 ausgeführt - aber die Finanzierung des Vereinsanteils bereitete erhebliches Kopfzerbrechen. Es wurden Anteilscheine ausgegeben und sogar private Darlehen aufgenommen. Schliesslich wurde ein Schützenfest als Standeinweihungsschiessen organisiert, das einen erfreulich hohen Gewinn von Fr. 9'170.50 einbrachte. Damit konnte der Vereinsanteil an den Gesamtkosten von Fr. 26'364.95 nun bezahlt werden.
Gezielte Nachwuchsförderung lohnt sich
Die fachgerechte Ausbildung von Jungschützen war den Verantwortlichen des Vereins immer ein besonderes Anliegen. Schon 1916 (!) war ein erster Jungschützenkurs durchgeführt worden. Fast jedes Jahr trafen sich die Jugendlichen "von Guggisberg und Umgebung" und glänzten oft mit erfreulichen Resultaten. 1957 wurde sogar die Beschaffung einer eigenen Jungschützenstandarte erwogen. Da aber die finanziellen Mittel nicht ausreichten, verwirklichten die Jungschützen 1961 mit einer eigenen Sammlung ihren Traum selber. Seit mehreren Jahren nehmen auch die Jungschützen der Feldschützen Riffenmatt sowie der Schützengesellschaft Sangernboden am alljährlich durchgeführten Jungschützenkurs teil. Erfreulicherweise beteiligen sich auch immer junge Frauen.
Die Militärschützen Guggisberg im Aufwind
Auch nach 1955 fanden in Guggisberg verschiedene grössere Schiessanlässe statt. Von 1968-1984 organisierten die MS-Guggisberg alle zwei Jahre das Joggelischiessen. Zum Anlass des 75-jährigen Jubiläums und zum Kauf der neuen Vereinsfahne wurde 1973 ein Fahnenweihschiessen durchgeführt. Am 4. Juli 1985 wurde der Scheibenstand durch ein Unwetter stark beschädigt. Der Schaden war so gross, dass 1987 ein neuer Scheibenstand erstellt werden musste. Dank grosszügigem Entgegenkommen der Gemeinde Guggisberg und den 1300 geleisteten Frondienststunden konnten sechs elektronische Scheiben Sius-Ascor installiert werden. Das gelungene Dorffest von 1989 und die weitere Unterstützung der Gemeinde ermöglichte es, im Frühling 1992 die restlichen vier Zugscheiben auf elektronische Sius-Ascor Scheiben umzurüsten. 1992 wurde zur Einweihung der elektronischen Trefferanzeige ein Standweihschiessen organisiert. Der Schiessanlass war ein voller Erfolg, fanden doch 2834 Schützen den Weg nach Guggisberg. Im Winter des gleichen Jahres wurde der Keller des Schützenhauses in Fronarbeit in eine gemütliche Schützenstube ausgebaut, damit auch der gesellige Teil besser gepflegt werden kann. Zum dritten Male (nach 1908 und 1928) fand 1997 das Mittelländische Landesteilschiessen statt. Im Sand wurden während zehn Tagen viele gute Resultate erzielt und rund 55'000 Patronen verschossen. Zum 100-jährigen Jubiläum wurde 1998 ein Schiessanlass beim alten Schiessplatzstandort "Feldhaltenkehr" durchgeführt. Absichtlich konnte nur mit Langgewehren und offener Visierung geschossen werden. Das Organisationskomitee erhoffte sich damit einen Hauch Nostalgie. Gleichzeitig fand in Guggisberg ein Dorffest statt.
Leistungssport
In den letzten Jahren erlebte der Schiesssport in unserer Gesellschaft einen starken Aufschwung. Die Erfolge blieben nicht aus, was auf ein intensives und gezieltes Training zurückzuführen ist. Hier nur die absoluten Höhepunkte:
1979 7. Rang GM-Final Feld B
1989 GM Vize-Schweizermeister Feld B
1990 Eidg. Schützenfest in Winterthur
Aufstieg von der 4. In die 3. Kategorie
1990 1. Rang SIUS-ASCOR Cup Feld B
1991 GM Schweizermeister Feld B
1991 4. Rang Rütlischiessen
1992 7. Rang GM-Final Feld C
1994 2. Rang SIUS-ASCOR Cup Feld B
1995 Eidg. Schützenfest in Thun:
5. Rang Sektion
1996 1996 1. Rang Grasburgschiessen
1996 1. Rang SIUS-ASCOR Cup Feld B
1996 6. Rang GM-Final Feld C
1999 2 Gruppen im Feld C im GM-Final in Olten:
Gruppe 1: Rang 8
Gruppe 2: Rang 15
2001 3. Rang Schweizerischer Sektionsmeisterschaftsfinal
Seit 1998 haben wir eine Standardgewehrgruppe. Im 2000 war leider in der 1. Hauptrunde das Abenteuer Gruppenmeisterschaft für dieses Jahr zu Ende. Erwähnenswert ist sicher auch, dass alljährlich am Amtscup ca. 17 Vierergruppen starten, und dass am traditionellen Grasburgschiessen jedes Jahr fünf Gruppen zu zehn Schützen teilnehmen.
Seit dem Winter 1999/2000 verfügen wir über eine 10m-Schiessanlage mit zuerst 6 und ab 2001 mit 8 elektronischen Scheiben der Marke SIUS-ASCOR im MZG Riffenmatt. Es ist wahrlich ein positives Zeichen, wenn man den Leistungssport und den Breitensport unter einen Hut bringen kann.
"Zämeha" früher und heute
In der Gründungszeit der Militärschützen Guggisberg und in den folgenden Jahrzehnten war der Leitgedanke unseres Vereins der Wehrwille, wie dies auf der zweiten Fahne stand. Die Gesellschaft wurde streng geführt; für zu spätes Antreten oder Nichterscheinen verhängte man Strafen und Bussen. Diese Ausrichtung wurde auch in unserem Verein teilweise durch den Willen zur sportlichen Leistung abgelöst. Trotzdem sollten Geselligkeit und Zusammengehörigkeit nicht verloren gehen, besonders, wenn man das hundertjährige Bestehen des Vereins feiern kann.
Quelle (mit Ergänzungen): Jahrschrift 100 Jahre MS-Guggisberg, 14.05.98 Johannes Josi, Hans Beyeler


